Grußwort des CSD Deutschland e.V.

 

Wir haben die Wahl !

2017 steht wie seit langem kein Jahr mehr im Fokus von Wahlentscheidungen. Dabei klingt noch der doppelte Donnerhall mit Brexit und Trump aus dem Vorjahr nach. Österreich, die Niederlande und die Türkei zeigen wie breit und gespalten die Gesellschaft ist und bei uns weisen die Landtagswahlen im Saarland, in Scheswig-Holstein und NRW den Weg zur Bundestagswahl im September.

Wieso ist diese Wahl überhaupt noch wichtig? Haben wir nicht mit der Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Paare nun alles erreicht?

16 Jahre lang wurde jeder Schritt in diese Richtung durch die CDU-geführten Bundesregierungen blockiert. Anpassungen fanden lediglich auf Druck des Bundesverfassungsgerichtes statt. Doch nachdem jeder mögliche Koalitionspartner die Öffnung der Ehe zum unverzichtbaren Bestandteil ihrer Programme erklärt hat, hat die Kanzlerin dieses Thema noch in der letzten Plenarwoche abgeräumt.

So erfreulich das Ergebnis ist, so sehr ist es doch auch Verpflichtung, weiterzumachen. Die vielen Kommentare im Vorfeld und im Nachhinein zeigen uns deutlich, das ein großer Teil der Bevölkerung homosexuelle Menschen als minderwertig und ungleich ansieht. Selbst im Parlament schreckten CDU und CSU nicht davor zurück dies explizit zu sagen. Der Vorgang zeigte uns auch, dass wir von einer wohlgesonnenen Mehrheit abhängig sind. Das letztlich ein großer Teil der CDU-Abgeordneten dafür gestimmt hat, hatte die letzten Jahre leider keine spürbaren Auswirkungen.

Auch eine Novellierung des Transsexuellengesetzes ist mehr als überfällig, von der Ergänzung des Artikel 3 Grundgesetz um das Merkmal der der sexuellen Orientierung ganz zu schweigen. Eben, damit unsere Gleichberechtigung nicht zum Spielball von Mehrheiten wird.

Deshalb sind wir auch weiterhin gefordert auf die Straße zu gehen und lautstark einzufordern, was unser Menschenrecht ist. Deshalb ist jeder CSD wichtig für unser Land – ganz egal ob er 200 oder 500.000 Menschen erreicht! Wir müssen uns zeigen und hör- und sichtbar sein.

Wir dürfen den Rollback-Bewegungen von Rechts nicht im Vertrauen auf die Vernunft der schweigenden Mehrheit stumm zusehen. Jede und jeder steht in der Verantwortung für eine freie, offene und demokratische Gesellschaft einzustehen und zu demonstrieren. Beim CSD auf der Strasse und im Wahllokal.

Auch wenn die großen Parteien uns dauerhaft enttäuscht haben und unser Glaube in Wahlprogramme und Versprechungen gerade im Wahljahr gegen Null geht, ist es immens wichtig gerade jetzt unsere Stimme zu erheben und abzugeben – für Demokratie und Vielfalt. Für Akzeptanz statt Toleranz.

Wir wünschen den CSDs und Ihren Organisatoren eine erfolgreiche, spannende, bunte und politisch fruchtbare Christopher-Street-Day Saison.

CSD Deutschland e.V.