CSD Motto 2017

Zurück auf Anfang? Mit uns nicht!

Im Sommer 2017 feiert Koblenz auf dem Münzplatz zum zehnten Mal den Christopher Street Day. Seit 2008 hat er sich inzwischen in der Stadt etabliert und erfreut sich einer großen Besu-cher*innenzahl, die mit jedem Jahr anwächst. Rund um das CSD Wochenende gibt es mittlerweile viele Veranstaltungen, zu verschiedensten spannenden Themen, am Rathaus wird die Regenbogenflagge gehisst, es erfolgen politische Diskussionen, die Ministerpräsidentin Frau Malu Dreyer übernimmt mit Stolz die Schirmherrschaft. Viele Parteien und Organisationen beteiligen sich mit Ständen am dritten Wochenende im August im Herzen der Koblenzer Altstadt und beziehen klar Stellung zu einem offenen, toleranten Koblenz, in dem Solidarität, Akzeptanz die Gleichstellung von homosexuellen, bisexuellen und transidenten Menschen keine Fremdworte mehr sind.

Doch sind nun alle Ziele erreicht? Alle Menschen in Koblenz sind gleich und haben dieselben Rechte? Stellt es sich nicht als Problem dar, in Koblenz zum Beispiel als schwules Paar am Bahnhof einen Begrüßungskuss auszutauschen? Zwar ist die längst überfällige „Ehe für alle“ nun beschlossen und augenscheinlich gelten nun gleichgestellt… oder doch nicht?

Leider lautet hier die Antwort: NEIN! Noch immer erfolgt eine Diskriminierung von lesbisch, schwul, bisexuell oder transident lebenden Menschen.

Ein lesbisches Paar wird gegenüber einem Mann-Frau-Paar weiter in einem entscheidenden Punkt benachteiligt. Wenn ein Kind in eine lesbische Ehe hineingeboren wird, gilt nur die biologische Mut-ter als Mutter, ihre Partnerin muss das Kind erst noch aufwendig adoptieren. Das besagte schwule Paar am Bahnhof muss sich teilweise verunglimpfende Kommentare anhören. Und das nach zehn Jahren CSD in Koblenz. Noch beängstigender ist die derzeitige Änderung der politischen Strömungen.

Der überwiegende Teil der CDU lehnt weiterhin die „Ehe für alle“ ab, welches sich deutlich bei der Abstimmung im Bundestag gezeigt hat. Die AFD hat sich vor Jahren formiert, um Deutschland eine „Alternative“ zu bieten. Dass diese „Alternative“ vorschlägt, zum Leitbild der Familie aus Vater, Mutter und Kindern zurückzukehren, oder propagiert, ‘Einwanderung könne für Deutschland nur ein Gewinn sein, wenn sie im deutschen Interesse gesteuert werde‘. Pflichten dürfen natürlich sehr gern erfüllt werden. Rechte für homosexuelle, bisexuelle, transidente oder Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit? Fehlanzeige.

Ziel dieser politischen Strömungen scheint es zu sein, zurück auf Anfang zu fahren; die Weiterent-wicklung des Menschen zu vielfältigen Wesen, denen man respektvoll und tolerant begegnet, zu stoppen und Stereotype wieder einzuführen. Hier können wir vom Koblenzer Christopher Street Day nur sagen: Wehret den Anfängen! Nie wieder wollen wir eine Verachtung von Menschen, egal welcher Sexualität, sexuelle Orientierung, Herkunft, Hautfarbe, Alter, Religionszugehörigkeit, Aussehen, Beeinträchtigungen. Koblenz bleibt bunt! Diskriminierung, Rassismus und Hass hat in unserer Stadt keinen Platz. Und dafür gilt es weiterhin friedlich zu kämpfen, zu diskutieren, aufzuklären.

Zurück auf Anfang? Mit uns nicht!